Im Zwischenraum der Utopie

Lebenszwänge und Freiheitssuche im osteuropäischen Film des Sozialismus

Im späteren ("reifen") Sozialismus der 1960er Jahre kam es im sogenannten Ostblock zu einer neuen Filmwelle. Diese Welle wird üblicherweise als Autorenkino kategorisiert, war inhaltlich aber vor allem durch eine äußerst scharfe Kritik gegenüber dem offiziellen Sozialismus und seinen (nur) deklarierten Zwecken gekennzeichnet. Die frühen Filme lassen sich als Vorläufer von 1968 sehen, weil sie alternative Wege und die Suche nach Freiheit verhandeln.

Auf unterschiedliche Kontexte der tschechoslowakischen, jugoslawischen und polnischen Filmwellen bezogen, untersucht die Filmreihe das Thema der „Zwischenräume“: Räume der Freiheit, die möglich schienen – auch wenn die Spannungen zwischen sozialistischer Realität und Utopie, zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen kollektiver Anpassung und individueller (gerade auch sexueller) Selbstbestimmung letztlich zur Kollision führten.

Diese Filmreihe wird vom Kino im Kasten in Kooperation mit der Professur für Polnische Landes- und Kulturstudien (Dr. Saskie Metan und Dr. Gal Kirn), dem Studentenrat der TU Dresden und dem Fachschaftsrat der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften organisiert. Dank der großzügigen Finanzierung durch die Kooperationspartner ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei! Die Filme werden jeweils durch einen Kurzvortrag eingeführt und in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt.



Filme

Mi 11.04. 20.00 Uhr

Sedmikrásky ("Tausendschönchen") – 1966 – Věra Chytilová

"Tausendschönchen" (tschech. "Sedmikrásky") von Věra Chytilová war aufgrund seines Verbots lange Zeit eher unbekannt, gehört aber zu den bedeutendsten Filmen der tschechoslowakischen intellektuellen Bewegung der "Neuen Welle". Der experimentelle Film handelt von den Räumen sexueller und politischer Freiheit aus der Sicht zweier junger Frauen, die verschiedenen Männern begegnen...



Mi 02.05. 20.00 Uhr

Trzeba zabić tę miłość ("Diese Liebe muß man töten ") – 1972 – Janusz Morgenstern

Magda und Andrzej sind ein Paar, zu ihrem Glück fehlen ihnen nur noch ein Studienplatz und eine eigene Wohnung. Entscheidungen müssen getroffen werden, manchmal auch die falschen. Der Film von Janusz Morgenstern erzählt von Varianten der Liebe – der auch in einem System gesellschaftlicher Zwänge die Freiheit bleibt, zu gelingen oder zu scheitern.



Mi 13.06. 20.00 Uhr

W.R. - Misterije organizma ("W.R. - Mysterien des Organismus") – 1971 – Dušan Makavejev

Der Film verknüpft dokumentarische und fiktive Formen, schnelle Montage und politische Subversion auf meisterliche Weise - nicht zuletzt gilt der jugoslawische Regisseur Dušan Makavejev auch als "Jean-Luc Godard des Ostens". Sein Werk steht im Zwischenraum: zwischen West und Ost, zwischen Alter und Neuer Linken nach 1968. In dem Film, der nach seiner ersten Vorführung 15 Jahre lang verboten blieb, trifft die Jugoslawin Milena den Sowjetrussen Ivan Ilyich - und was passiert nun?



Mi 11.07. 20.00 Uhr

Przypadek ("Der Zufall möglicherweise") – 1981 – Krzysztof Kieślowski

Was wäre passiert, wenn…? - Ein erst kurz vor der politischen Wende zugelassener Film von Krzysztof Kieślowski, der nicht weniger als die Frage aufwirft, ob der Verlauf unseres Lebens Zufall, Schicksal oder Selbstbestimmung ist. Anders gefragt: Wann müssen wir Verantwortung übernehmen?