50 Jahre 1968

Die Filmreihe wurde begleitend zur gleichnamigen Ringvorlesung von Dr. Michael Dobstadt und Prof. Dr. Lars Koch vom Institut für Germanistik organisiert.

Vorlesungstext:
Die antiautoritäre Revolte, die sich im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik mit der Jahreszahl 1968 verbindet, jährt sich 2018 zum fünfzigsten Mal. Mit dem Jubiläum steht eine intensive Auseinandersetzung mit diesem nach wie vor „heißen“ Ereignis zu erwarten. Gilt der Protest den einen als Ausgangspunkt einer Fundamentalliberalisierung der westdeutschen Bundesrepublik, die Geltung auch und gerade für das wiedervereinigte Deutschland beansprucht, wird er von anderen als Ausgangspunkt eines alle Verbindlichkeiten auflösenden Normenzerfalls und einer als totalitär angesehenen linken Diskurshegemonie gedeutet.

Zwei Dinge haben sich allerdings zuletzt verändert, mit Auswirkung auf diese – für sich genommen keineswegs neuen – Narrative: Zum einen hat die kritische Lesart von „1968“ mit dem Einzug der AfD in die Parlamente eine neue Bühne und darüber einen neuen Resonanzraum erhalten; damit ist absehbar, dass in den 2018 anstehenden Debatten um die Deutung und die Bedeutung der 68er-Bewegung noch stärker als früher die heutige gesellschaftliche, politische und kulturelle Orientierung der Bundesrepublik Deutschland (mit)verhandelt werden wird. Zum anderen ist – scheinbar gegenläufig dazu – seit einiger Zeit zu beobachten, dass rechtsorientierte Gruppierungen sich Aktionsrepertoires der 68er aneignen und für ihre Zwecke nutzen. Und lässt sich der mit der sog. „Flüchtlingskrise“ aufgekommene rechte Protest, etwa in Gestalt von Pegida, nicht vielleicht sogar als neue APO deuten: als Aufbegehren gegen einen – diesmal allerdings linksliberalen – Mainstream?

So spricht vieles dafür, dass „1968“ auch fünfzig Jahre danach von einer deutungsstillstellenden Historisierung weit entfernt ist; dass sich in Bezug auf dieses Ereignis sowie darauf, wie es erinnert und welche Bedeutung ihm heute gegeben wird, vielmehr neue Perspektiven abzeichnen und neue Fragen stellen.

Entnommen von der Homepage des Instituts für Germanistik.

Dank der großzügigen Förderung durch den StuRa der TU-Dresden ist der Eintritt zu allen Veranstaltungen frei!


Filme

Mi 25.04. 20.00 Uhr

Ich bin ein Elefant, Madame – 1969 – Peter Zadek

Der Schüler Rull probt an einem Gymnasium in Bremen den Aufstand und versucht, die autoritären Strukturen seiner Schule zu durchbrechen. Es entsteht eine humorvolle Protestbewegung, die eine demokratische Schulform verlangt. Peter Zadeks Film ist eine der eindrucksvollsten Auseinandersetzungen mit 1968, weil er dem Geist des Antiautoritären – der in letzter Instanz, wie die Kommune I gezeigt hat, ein surreal-poetischer Geist ist - in einer ganz grundsätzlichen und radikalen Weise verpflichtet ist. Zadek macht 1968 als ein Ereignis kenntlich, das sich dank seiner Vielschichtigkeit und Ambivalenz auf keinen eindeutigen Nenner bringen lässt.



Mi 30.05. 20.00 Uhr

Spur der Steine – 1966 – Frank Beyer

Wir beschenken uns mit 3785 Meter Skandalfilm. "Spur der Steine" von Frank Beyer ("Jakob der Lügner", "Karbid und Sauerampfer") handelt von der überaus produktiven Bauarbeiterbrigade um Hannes Balla (Manfred Krug), die wenig von der Bürokratie der Planwirtschaft hält und sich fehlendes Baumaterial notfalls mit Gewalt besorgt. Der zuständige Parteisekretär Horrath (Eberhard Esche) duldet Ballas Aktionen, bis sich beide in die schöne Bauingenieurin Kati verlieben.



Mi 27.06. 20.00 Uhr

Zabriskie Point – 1970 – Michelangelo Antonioni

Andere Länder, andere Sitten. Wenn man also in den USA ist – was macht man dann in Amerikas Hippie-Zeit aus den Unruhen an den Universitäten und der wachsamen Polizei? Ein junges Paar steht im Mittelpunkt der scharfäugigen Betrachtung durch die Kamera des Meisters der Filmkunst. Sie ist eine Sekretärin, deren Pflichten sich auch mal bis in das Schlafzimmer ihres Chefs erstrecken können. Er ist ein ehemaliger Student, der am Tod eines Polizisten beteiligt sein könnte. Die beiden treffen sich; es entsteht eine Verbindung zwischen ihnen; sie spielen, lieben sich, bewegen sich weiter: Er in Richtung einer Tragödie, sie in Richtung einer offenen Zukunft. Und Antonioni bewegt sich zu einem explosiven Finale, in dieser mitreißenden Vision der Liebe in einem Klima der Gewalt.